Günter-Wallraff-Preis

Forum_JournalismuskritikMit dem Günter-Wallraff-Preis für Journalismuskritik ehrt der Vorstand der Initiative Nachrichtenaufklärung e.V. Personen oder Institutionen, die sich auf originelle und ausgewogene Weise kritisch mit dem Journalismus auseinandersetzen. Ziel ist es, durch konstruktive Kritik die öffentliche Aufgabe des Journalismus zu stärken bzw. diese in Erinnerung zu rufen, wo sie in Vergessenheit gerät.

Gefördert werden…

….Personen, Teams und Projekte, die in herausragender Weise Themen journalistisch bearbeitet und dargestellt haben, die in der Medienöffentlichkeit vernachlässigt werden.

…Personen, Teams und Projekte, die sich in herausragender Weise für unabhängige Recherche und kritischen Journalismus engagiert haben.

….Personen, Teams und Projekte, die einen herausragenden Beitrag dazu geleistet haben, wichtige Probleme trotz kurzfristiger journalistischer Selektionskriterien nachhaltig in der Öffentlichkeit wachzuhalten.

Am 10. Juni 2016 wurde der Günter-Wallraff-Preis für Journalismuskritik  auf dem 2. Kölner Forum für Journalismuskritik zum zweiten Mal vergeben. Ausgezeichnet wurde dieses Jahr die türkische Journalist/innengruppe „Haber Nöbeti“ (News Watch). Die Initiative Nachrichtenaufklärung (INA) e.V. zeichnet damit eine Organisation aus, die in Zeiten gravierender Einschränkungen der Pressefreiheit in der Türkei die Defizite der medialen Berichterstattung gerade aus der Krisenregion Osttürkei korrigieren will. Seit Februar 2016 hat „Haber Nöbeti“ 68 Journalisten ehrenamtlich in den kurdischen Teil der Türkei geschickt, um über die dortigen militärischen Auseinandersetzungen zu berichten, über die ansonsten nur von lokalen Medien und nur unter Lebensgefahr berichtet wurde.  Die Laudatio hielt die Deutschlandfunk-Chefredakteurin Birgit Wentzien.
Einen undotierten Sonderpreis des Vorstands der INA e.V. erhielt in diesem Jahr Uwe Krüger. Der Kommunikationswissenschaftler der Uni Leipzig geht dem Vertrauensverlust in die Medien und den blinden Flecken der journalistischen Berichterstattung nach. Krüger untersucht Verflechtungen zwischen „Alpha-Journalisten“ einerseits und Polit- und Wirtschaftseliten andererseits und konstatiert eine „Refeudalisierung der Strukturen politischer Öffentlichkeit“.

Foto: Deutschlandradio/Jessica Sturmberg
Foto: Deutschlandradio/Jessica Sturmberg

Der Günter-Wallraff-Preis für Journalismuskritik ist am 8. Juni 2015 auf dem 1. Kölner Forum für Journalismuskritik erstmals vergeben worden. Die Preisträger heißen Sebastian Pertsch und Udo Stiehl. Sie wurden für ihr Online-Projekt Floskelwolke geehrt. Darin machen sie in innovativer Weise auf Unzulänglichkeiten, Fehler und Manipulationen in der Nachrichtensprache aufmerksam. In der Floskelwolke wird tagesaktuell abgebildet, welche Floskeln, schiefen Bilder und Euphemismen die Medien am häufigsten verwenden.

Udo Stiehl und Sebastian Pertsch
Udo Stiehl (l.) und Sebastian Pertsch bei der Preisverleihung

„Udo Stiehl und Sebastian Pertsch enthüllen mit sprachpädagogischem Furor, was alles hinter der journalistischen Phrasendreschmaschine steckt – oder besser gesagt: nicht dahinter steckt. Mit den zeitgemäßen Mitteln des Internets setzen sie ein Projekt fort, das der Wiener Karl Kraus begonnen hat: die Trockenlegung des Phrasensumpfes.“ – Aus der Laudatio von INA-Geschäftsführer Hektor Haarkötter

Die Auszeichnung ist mit insgesamt 6.000 Euro dotiert. Stifter sind der Namensgeber Günter Wallraff, der Fernsehsender RTL und die Kölner Medienrechtskanzlei Wilde, Beuger, Solmecke. Der Preis wurde im Rahmen des 1. Kölner Forums für Journalismuskritik beim Deutschlandfunk in Köln überreicht.