Innere Pressefreiheit in Gefahr

Über die Hälfte aller Journalisten fühlt sich bei ihrer Arbeit nicht frei: Sie sehen eine steigende Einflussnahme von Werbekunden, sinkende Recherche-Zeit und haben Angst, ihren Arbeitsplatz zu verlieren. Und: Sie finden, dass diese innere Pressefreiheit heute noch stärker bedroht ist als vor fünf oder zehn Jahren.  Das sind die Ergebnisse einer Online-Studie des Online-Watchblogs “Pressefreiheit in Deutschland”. An den Themen, die aus solchen Gründen von deutschen Medien nicht umgesetzt werden, arbeiten wir auch in diesem Jahr. Denn: Im Juli veröffentlichen wir wieder die TO10 der vernachlässigten Themen des Jahres. Und – so viel sei verraten – es wurden auch 2012/13 wieder über wichtige Themen nicht berichtet – weil sie intensive Recherche erfordern, vorurteilsfreies Diskutieren und Ausprobieren und einen langen Atem bei der Informationsbeschaffung. Arbeitsbedingungen, die offenbar in vielen Redaktionen nicht gegeben sind.

Verfasst am 15. Mai 2013 von Miriam Bunjes.  

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Neue Themenvorschläge gesucht

Wir – die Initiative Nachrichtenaufklärung (INA) -  sind wieder auf der Suche nach Ihren Themen. Sie kennen ein Thema, das von den Medien kaum beachtet wurde? Dann melden Sie sich bei uns! Helfen Sie dabei, die blinden Stellen der Medienlandschaft aufzudecken.

Ihr Themenvorschlag wird von Journalistik-Studierenden aus ganz Deutschland recherchiert und von einer Jury aus Wissenschaftlern und Journalisten bewertet.

Bis Mai können Sie noch Themen einreichen, die die Chance haben in die TOP 10 der vernachlässigten Themen 2013 aufgenommen zu werden.

.Schicken Sie uns ihr Thema über unser Kontaktformular oder…
… per Mail: info@nachrichtenaufklaerung.de
… per Telefon: 0231/ 755 2827
… oder per Fax:  0231/ 755 5583

Verfasst am 13. April 2013 von Judith Merkelt.  

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NSU-Morde: Auch die Medien waren auf dem rechten Auge blind

Inzwischen schreiben alle über den   “Auftritt der Versager vom Amt”,  “die NSU-Pannenserie”, entdecken neue Spione im NSU-Umfeld und finden interne Papiere, die zeigen, dass jegliche Hinweise auf rechtsextreme Täter bei der Mordserie von Seiten der Ermittlungsbehörden ignoriert wurden. Allerdings haben die Medien das jahrelang selbst getan – auch, wenn über die spektakulären Taten an sich viel geschrieben wurde. Nur einige Monate vor dem Bekanntwerden der Terrorzelle zitierte der Spiegel noch stolz aus einer geheimen Polizeiquelle und analysiert hinter den Taten eine “mächtige Allianz rechtsnationaler Türken, dem türkischen Geheimdienst und Gangstern.” Dieses Rechercheverhalten des deutschen Recherchekönigs steht exemplarisch für das, was die Medien in der Mordserie berichtet haben – auch, wenn es natürlich immer Ruhm und Ehre bringt, Geheimquellen vorweisen zu können: Es wurde das berichtet, was die Ermittler herausgefunden haben. Und weil die  – inzwischen erwiesenermaßen – auf dem rechten Auge blind waren, waren es auch die deutschen Medien. “Wieso sind wir so staatshörig?” fragt das Mediendebattenorgan “Vocer” in einem der wenigen journalismuskritischen Artikeln, die zu dem Thema erschienen sind. Ja, wieso nur? Es hat den deutschen Journalismus tatsächlich blind gemacht – und sicher nicht nur in diesem Fall.

Was die NSU angeht: Es gab gar nicht wenige Stimmen, die  – so laut sie konnten -  über einen rechtsextremen Hintergrund sprachen. Und man konnte sie hören, wenn man es wollte – ohne geheime Verfassungsschutzquellen, monatelanges Aktenstudium und ein riesiges Recherchebudget. Immer öfter werde ich auf einen Artikel angesprochen, den ich am 13.6.2006 für den damals noch existierenden NRW-Teil der taz geschrieben habe – also lange bevor die Terrorzelle bekannt wurde. Angeblich ist es der einzige Artikel, in dem die Erklärungen der Behörden in Frage gestellt wurden – das hat eine Archivrecherche der Frankfurter Rundschau gezeigt. Und das ist wirklich erschreckend. Denn: Ich habe mit diesem Artikel einen ganz normalen Lokalreporterinnen-Job gemacht: Die Angehörigen des Dortmunder NSU-Mordopfers Mehmet Kubasik haben einen Trauermarsch durch die Stadt veranstaltet. Da bin ich morgens hingegangen. Ich habe mit ihnen gesprochen und mit dem Vorsitzenden des Alevitischen Kulurvereins. „Alle Opfer sind Migranten. Da ist doch ein rechtsextremer Hintergrund sehr einleuchtend. Stattdessen gucken die Ermittler nur nach links, wollen wissen, ob Mehmet in der PKK aktiv war“, sagte mir der. Zum Beispiel. Diese Kritik war Konsensmeinung bei dieser Demo. Und man hätte sie ganz sicher von den Angehörigen aller Mordopfer hören können, wenn man sie gefragt hätte. Danach habe ich die Dortmunder Staatsanwaltschaft angerufen. Und dann habe ich den Artikel geschrieben, der am späten Nachmittag in den Druck ging. Es war ganz einfach – aber leider nicht normal.

Verfasst am 25. Februar 2013 von Miriam Bunjes.  

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vernachlässigte Themen 2012 in den Medien

Hier eine Sammlung der Berichte über unsere TOP 10 aus 2012 in den Medien: Weiterlesen »

Verfasst am 9. Juli 2012 von Miriam Bunjes.  

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Vorgestellt: Top-Themen 2012

Nach Ansicht der INA wurden auch in diesem Jahr wieder wichtige Themen von den deutschen Medien nicht oder zu selten aufgegriffen. Heute hat unsere Jury in Siegen getagt und die Rangliste der wichtigsten von den Medien vernachlässigten Themen und Nachrichten aus 2012 gewählt.

In die Top 10 haben es geschafft:

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Verfasst am 5. Juli 2012 von Johanna Fritz.  

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Die Gentechnik-Lobby in der EU-Lebensmittelbehörde

Eigentlich sollte das Thema ” Verbindungen der Gentechnik-Industrie mit den Behörden der EU”  in drei Tagen bei unser Jurysitzung zur Wahl stehen – als ein in den Medien vernachlässigt, aber für die Gesellschaft sehr relevantes Thema. Denn die meisten Europäer lehnen den Anbau von gentechnisch veränderten Pflanzen ab und halten ihn für gesundheits- und umweltschädigend. Die europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit EFSA allerdings hat in ihren Reihen viele Experten, die eng mit der Gentechnikindustrie verbandelt sind. Ihre Entscheidungen sind also mehr zweifelhaft – haben aber viel Einfluss. Das alles ist in den letzten Wochen regelmäßig  und ausführlich Medienthema (zB. in der SZ und bei Spiegel Online) gewesen, denn als die Chefin vom europäischen Lebensmittel-Lobbyverband FoodDrinkEurope EFSA-Vorstand werden sollte, wurde die Kritik sehr laut.

Auf die TOP 10 der vernachlässigten Themen Deutschlands schafft es das Thema daher nicht. Aber wir haben noch andere spannende Themen auf unserer Liste, die nach der Wahl am Donnerstag sofort aufs Blog kommt. Zur EFSA gibt es jetzt schon mehr zu lesen Weiterlesen »

Verfasst am 2. Juli 2012 von Miriam Bunjes.  

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Die Top 10 der vernachlässigten Themen 2011/2012: INA-Jurysitzung am 5. Juli in Siegen

Welche Themen sind in letzter Zeit im Redaktionsalltag unter den Tisch gefallen, obwohl sie so brisant und relevant sind, dass Medien über sie hätten berichten müssen? Die Initiative Nachrichtenaufklärung wählt sie am Donnerstag, 5. Juli 2012 – die zehn am meisten vernachlässigten Themen aus 2011/2012.

Zur Wahl stehen in diesem Jahr u.a. Themen wie “die politische Lobbyarbeit der Gentechnik-Befürworter” oder “die schlechte medizinische Versorgung in Gefängniskrankenhäusern”. Die Themen wurden von  Bürgern, Journalisten, Initiativen und Wissenschaftlern eingereicht und von INA-Seminaren an der Uni Siegen, der TU Dortmund und den Macromedia Standorten Köln, München und Berlin nachrecherchiert. In der Jury sitzen Journalisten und Wissenschaftler.

Vorgestellt werden die Top 10 um 16 Uhr auf einer Pressekonferenz im Senatssaal der Uni Siegen. Journalisten, die daran teilnehmen wollen, melden sich bitte kurz unter info@nachrichtenaufklaerung.de

Hier zwei Anfahrtsskizzen:

http://www.uni-siegen.de/start/die_universitaet/ueber_uns/wegweiser/
http://www.uni-siegen.de/start/die_universitaet/ueber_uns/wegweiser/reichwein.html?lang=de

Weitere Informationen sind in der Pressemitteilung zu finden.

Verfasst am 15. Juni 2012 von Johanna Fritz.  

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Lücken bei EM-Dopingtests

Treffen Doping-Kontrolleure im Traingslager ein, haben Spieler 60 Minuten Zeit, um zur Dopingkontrolle zu erscheinen. Über diese und andere Schwachstellen bei der Dopingkontrollen der nahenden Fußballeuropameisterschaft berichten Daniel Drepper und Jonathan Sachse hier  – und greifen dabei ein Thema auf, das noch immer journalistisch unterbelichtet ist. Im vergangenen Jahr wählten wir “Doping im Fußball“  deshalb auf Platz 7.

Verfasst am 4. Juni 2012 von Miriam Bunjes.  

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Die Frage muss erlaubt sein… Warum lebt ein SS-Mörder unbehelligt in Deutschland, und niemand hakt wirklich kritisch nach?

Am Holocaust-Gedenktag ließ Marcel Reich-Ranicki den Bundestag verstummen. Rund vier Wochen später, auf der Gedenkfeier für die Opfer der Neonazi-Mordserie, rührte ein trauernder Vater seine Zuhörer zu Tränen. Beide Ereignisse gingen durch die Medien und mit ihnen die Bekundungen prominenter Politiker, dass Faschismus in Deutschland keinen Platz habe und bekämpft werden müsse.

Der gesellschaftliche Wert beider Veranstaltungen steht wohl außer Frage, und auch die Aufmerksamkeit, die ihnen in den Medien zuteil wurde, scheint dem Anlass angemessen. Dennoch kann man die Flut der Schlagzeilen auch kritisch sehen, weil sie beispielhaft für eine Tendenz steht, die in der medialen Berichterstattung um sich greift: Inszenierte Ereignisse und ritualisierte Handlungen schaffen es immer wieder spielend auf die Agenda von Presse und Rundfunk, während fragwürdige Zustände und problematische Entwicklungen nur allzu oft unbeachtet bleiben.
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Verfasst am 5. April 2012 von Christine Veenstra.  

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Gute Nachrichten für Rechercheure: Europa öffnet seine Datenschränke

Sie liegen zuhauf in Archiven und Datenbanken der Verwaltungen der Europäischen Union: öffentliche Daten. Sie sind da, aber keiner nutzt sie. Denn entweder sind sie für die Allgemeinheit erst gar nicht zugänglich oder so unübersichtlich, dass man nichts mit ihnen anzufangen weiß. Mit einer neuen Open-Data-Strategie will die EU das ändern: Die schlummernden Daten sollen von der Öffentlichkeit entdeckt und genutzt werden. Weiterlesen »

Verfasst am 6. März 2012 von Daniela Albat.  

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