INA verleiht Günter-Wallraff-Preis 2017

Preisverleihung 2017 (v.r.n.l. Yonca Şık, Ebru Tasdemir, Stefan Schulz, Günter Wallraff)(Foto: DLF/Fürst-Fastré)
Preisverleihung 2017 (v.r.n.l. Yonca Şık, Ebru Tasdemir, Stefan Schulz, Günter Wallraff)(Foto: DLF/Fürst-Fastré)

Köln, 02.06.2017 Der mit 7.500,- Euro dotierte Günter-Wallraff-Preis für Journalismuskritik geht in diesem Jahr an den türkischen Autor und Investigativjournalisten Ahmet Şık sowie an das publizistische Projekt taz.gazete. Die Initiative Nachrichtenaufklärung (INA) e.V. ehrt damit zum dritten Mal Personen oder Institutionen, die sich auf originelle und ausgewogene Weise kritisch mit dem Journalismus auseinandersetzen. Einen undotierten Zusatzpreis vergibt die INA an Stefan Schulz für sein journalismuskritisches Buch „Redaktionsschluss“.

Die doppelte Auszeichnung an Ahmet Şık und taz.gazete betont die gefährdete Lage des Journalismus in der Welt. „Damit wollen wir ein Zeichen setzen, dass kritischer Journalismus nicht in Gefängnismauern eingesperrt werden kann. Zwar sitzt Ahmet Şık in der Türkei im Gefängnis, doch hat er überall auf dieser Welt Kollegen, die den kritischen Journalismus über Ländergrenzen hinweg betreiben. Ein Beispiel dafür ist taz.gazete“, begründet Professor Dr. Hektor Haarkötter, Vorsitzender der INA e.V., die Entscheidung. „Die Situation für frei und kritisch berichtende Journalist/innen in der Türkei als einem europäischen Land ist unerträglich und inakzeptabel“, erklärt Haarkötter die diesjährige Doppelentscheidung.

„Kritischer Journalismus lässt sich nicht in Gefängnismauern einsperren“

Günter Wallraff bei der Laudatio 2017 (Foto: Fürst-Fastré/DLF)
Günter Wallraff bei der Laudatio 2017 (Foto: Fürst-Fastré/DLF)

Ahmet Şık ist derzeit in der Türkei inhaftiert und steht für einen mutigen und investigativen Journalismus. Auch unter den Bedingungen seiner Inhaftierung bleibt er ein Symbol für eine kritische Haltung gegenüber Staatsindoktrinierung und Zensur. Berühmt geworden ist Şık insbesondere für zwei wichtige Werke des investigativen Journalismus. Das Buchmanuskript Die Armee des Imam über die Gülen-Bewegung wurde noch vor Erscheinen beschlagnahmt als das „gefährlichste Buch des Landes“. Şık wurde mehrfach in der Türkei verhaftet, zuletzt im Dezember 2016. Er ist einer von über 150 Journalist/innen, die derzeit in der Türkei inhaftiert sind. Der Preis wird stellvertretend für den Inhaftierten von seiner Ehefrau Yonca Verdioğlu entgegengenommen.

Die taz.gazete beabsichtigt, „die Meinungsvielfalt zu Türkei-bezogenen Themen zu stärken, und den Dialog mit Journalist*innen vor Ort aufrecht zu erhalten“ (https://gazete.taz.de/about/). Das Projekt ist ein zweisprachiges deutsch/türkisches Webportal wurde 2017 ins Leben gerufen. Initiatoren sind taz.die tageszeitung sowie die taz Panter Stiftung. Die Autoren von taz.gazete arbeiten sowohl in der Türkei als international unabhängig von Ländergrenzen über das aktuelle Geschehen in der Türkei. Für taz.gazete nimmt Redakteurin Ebru Tasdemir den Preis entgegen.

Stefan Schulz war Redakteur bei der F.A.Z. und hat im letzten Jahr für Aufsehen gesorgt mit seinem Buch Redaktionsschluss. Die Zeit nach der Zeitung. Er skizziert eine Welt ohne (gedruckte) Zeitungen und zeigt auf, welche gesellschaftliche Konsequenzen das hat.

Die Verleihung des Günter-Wallraff-Preises fand im Rahmen des 3. Kölner Forums für Journalismuskritik statt. Die Preise wurden in diesem Jahr vom Namensgeber, dem Investigativjournalisten Günter Wallraff, persönlich überreicht. Das Forum ist eine Kooperation der INA e.V. mit dem Deutschlandfunk und der HMKW Hochschule für Medien, Kommunikation & Wirtschaft. Das Preisgeld in Höhe von 7.500 Euro wird in diesem Jahr vom Fernsehsender RTL gestiftet.

 

Weitere Informationen über die INA gibt es unter http://www.derblindefleck.de/kfj17/

Pressekontakt: Marlene Nunnendorf, Tel.: 0172 4068572.

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