10. Kölner Forum für Journalismuskritik

Medien stehen zunehmend durch politische Polarisierung, populistische Strömungen und den wachsenden Einfluss digitaler Konzerne unter Druck. Gleichzeitig geraten journalistische Grundprinzipien immer stärker unter Spannung: Vertrauen schwindet, Fakten konkurrieren mit Meinung und gesellschaftliche Debatten werden zunehmend emotional geführt.

Mit diesen Entwicklungen beschäftigte sich am 8. Mai 2026 das „10. Kölner Forum für Journalismuskritik“ im Kölner Funkhaus. Unter dem Titel „Game over? – Journalismus zwischen Umbruch und Aufbruch“ diskutierten Expert über die Herausforderungen und Zukunftsperspektiven des Journalismus. Veranstaltet wurde das Forum von dem Deutschlandfunk in Kooperation mit der Initiative Nachrichtenaufklärung (INA) e.V..

Panel 1: „Ratlose Politik, mutlose Medien? Was wir jetzt tun können.“
Gleich zum Auftakt diskutierten Annette Schavan (Bundesministerin a.D. und ehemalige stellvertretende CDU-Vorsitzende), Dagmar Rosenfeld (Journalistin, Podcast „Machtwechsel“), Jean Asselborn (ehemaliger Außenminister Luxemburgs) und Fabian Grischkat (Newsfluencer) über politische Verantwortung, mediale Unsicherheiten und mögliche Wege im Umgang mit gesellschaftlicher Polarisierung und wachsendem Vertrauensverlust.

Live-Sendung: „Nach Redaktionsschluss – Vergessene Nachrichten: Warum wichtige Themen untergehen“
In der Live-Ausgabe von „Nach Redaktionsschluss“ sprachen Anette Dowideit (Correctiv) und Hektor Haarkötter (Initiative Nachrichtenaufklärung, Professor an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg) darüber, welche relevanten Themen in der öffentlichen Berichterstattung oft zu wenig Aufmerksamkeit erhalten – und welche Folgen das für Gesellschaft und Medien hat.

Unter dem Hashtag „#nichtvergessen“ wurde anschließend an Raif Badawi erinnert, der 2019 mit dem Günter-Wallraff-Preis für Pressefreiheit und Menschenrechte ausgezeichnet wurde. Zwar wurde der saudische Blogger im März 2022 nach zehn Jahren Haft aus dem Gefängnis entlassen, dennoch darf er Saudi-Arabien bis heute nicht verlassen und unterliegt einer zehnjährigen Reisesperre. Während seine Familie im Exil in Kanada lebt, ist es ihm weiterhin untersagt, seine Meinung öffentlich zu äußern.

Panel 3: „Demokratie- und Medienkrise – Was kann die Gesellschaft tun?“
Zum Abschluss des Forums diskutierten Sr. Emmanuela Kohlhaas OSB (Ordensfrau und Autorin), Ewald Lienen (Fußball-Legende, Podcaster und Aktivist) sowie Juri Rother (Sänger der Band Planschemalör) über gesellschaftliche Verantwortung in Zeiten von Demokratie- und Medienkrisen. Im Mittelpunkt standen Fragen nach Zusammenhalt, Engagement und der Rolle von Öffentlichkeit und Zivilgesellschaft.

Den Abschluss der Veranstaltung bildete die Verleihung des „Günter-Wallraff-Preises für Pressefreiheit und Menschenrechte“ der Initiative Nachrichtenaufklärung. Durch den Abend führte Marlene Nunnendorf, die Laudationes hielten Birgit Wentzien und Günter Wallraff.

Der diesjährige Preis ging an HateAid. Ausgezeichnet wurde damit das Engagement der gemeinnützigen Organisation für Menschenrechte im digitalen Raum. HateAid unterstützt Betroffene digitaler Gewalt mit Beratung, psychosozialer Hilfe und Prozesskostenfinanzierung und setzt sich zugleich aktiv gegen Hasskriminalität im Netz ein – trotz eigener Anfeindungen und Drohungen. Die Ehrung machte deutlich, wie sehr Meinungsfreiheit und Menschenwürde auch im digitalen Raum geschützt werden müssen.

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