2026: Top-Thema 06

Top 6: Law Clinics: Juristisches Beratungsangebot unterstützt Benachteiligte

Abstract:

Law Clinics eröffnen gesellschaftlich benachteiligten Gruppen den Zugang zum Recht und schulen zugleich die praktischen Fähigkeiten von angehenden Juristinnen und Juristen. Die kostenfreie Beratung ist für viele Ratsuchende der einzige Zugang zu seriöser Rechtsberatung. Die Law Clinics bleiben aber vielfach unter dem Radar der Redaktionen – was dazu beiträgt, dass viele Betroffene die Möglichkeit nicht nutzen können.

Sachverhalt und Richtigkeit:

Wer nicht über die finanziellen Mittel für eine anwaltliche Beratung verfügt oder aus anderen Gründen keine Rechtsberatung in Anspruch nehmen kann, kann sich an sogenannte Law Clinics wenden. Dabei spielt es keine Rolle, ob es um Probleme mit Miet- und Arbeitsrecht, um Diskriminierung oder asyl- und migrationsrechtliche Anliegen geht.

Law Clinics sind Vereine oder universitäre Kooperationen, in denen Jurastudierende unter Anleitung von Volljuristinnen und Volljuristen eine kostenfreie Rechtsberatung anbieten. In den USA gibt es solche Einrichtungen schon lange, in Deutschland haben sich seit den 2010er Jahren rund 50 Law Clinics etabliert. Ihre Arbeitsweise ist rechtlich anerkannt, allerdings dürfen die Law Clnics nur beratend tätig sein und die Betroffenen nicht vor Gericht vertreten.

Für viele Menschen, die aus finanziellen, sprachlichen oder strukturellen Gründen keinen anwaltlichen Rat in Anspruch nehmen können, sind Law Clinics der einzige Zugang zu einer seriösen Rechtsberatung.  Damit tragen die Einrichtungen wesentlich dazu bei, dass jede Bürgerin und jeder Bürger die Möglichkeit hat ihre beziehungsweise seine Rechte durchzusetzen. 

Zugleich sind die Law Clinics ein wichtiger Bestandteil der Juristenausbildung. Denn hier haben Jurastudierenden die Möglichkeit, die im Studium erworbenen theoretischen Kenntnisse praktisch anzuwenden. In einem Beitrag auf dem juristischen Fachportal beck-aktuell.HEUTE IM RECHT hebt Diplomjuristin Veronika Gebertshammer hervor, dass die Praxiserfahrungen die angehenden Juristinnen und Juristen frühzeitig in der Kommunikation mit Mandantinnen und Mandanten schult. Außerdem würden Fähigkeiten im Bereich Argumentation und Fallanalyse gestärkt. Die Supervision durch Volljuristinnen oder -juristen ist verpflichtend: So entwickeln sich die Studierenden kontinuierlich weiter und zugleich wird die Qualität des Beratungsangebots gesichert, meint Laura Hilb, wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität Gießen und Mitglied der dortigen Refugee Law Clinic, in einem Gastbeitrag im Völkerrechtsblog. 

Relevanz:

Law Clinics sind für viele Menschen die erste und oft einzige Anlaufstelle, wenn es um den Schutz oder das Einholen ihrer Rechte geht. Das kostenfreie und niederschwellige Angebot schließt eine Lücke im deutschen Rechtssystem, denn es verhilft Menschen zu ihrem Recht, denen es an finanziellen Möglichkeiten für eine kostenpflichtige Rechtsberatung mangelt. Zugleich stärken angehende Juristinnen und Juristen ihre sozialen, kommunikativen und fachpraktischen Kompetenzen. Und die Tätigkeit schärft ihr Bewusstsein für die gesellschaftliche Verantwortung der Juristenprofession.

Das aber kann nur gelingen, wenn Bürgerinnen und Bürger um die Möglichkeit der kostenfreien Beratung wissen und sie damit faktisch in Anspruch nehmen können. Weil aber Law Clinics vor allem in Fachkreisen diskutiert werden oder speziell im Kontext von Asyl- und Migrationsrecht, ist das umfassende Angebot nur wenigen Laien bekannt. Insgesamt aber dürfte der Bedarf an der kostenfreien Beratung in diesen Feldern ähnlich groß sein, wie das Interesse unter Jurastudierenden, sich ehrenamtlich in Law Clinics zu engagieren. Mehr mediale Aufmerksamkeit könnte dabei helfen, dass Angebot und Nachfrage zueinanderfinden. 

Vernachlässigung:

Law Clinics werden vor allem in Fachportalen und Fachzeitschriften thematisiert. Vereinzelt berichteten Zeitungen zwischen 2016 und 2022 in Zusammenhang mit Migration und Asylrechtsfragen über Law Clinics: Das Magazin jetzt der Süddeutschen Zeitung etwa interviewte ein Vorstandsmitglied des Vereins Refugee Law Clinics Deutschland und der SPIEGEL veröffentlichte einen Gastbeitrag einer Jurastudentin, die sich ebenfalls in einer Refugee Law Clinic engagiert. Auch die Zeitschrift fluter und die Frankfurter Rundschau schildern Fallbeispiele zum Thema Flucht und Migration, ebenso einige Regionalzeitungen aus Bayern, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfahlen.

Nach 2022 berichtet als überregionales Medium die FAZ über eine Law Clinic – ebenfalls in Zusammenhang mit Asyl – und die TAZ. Der SWR sendete einen Beitrag über eine feministischen Law Clinic.

Außen vor bleiben aber Berichte über Law Clinics, die jenseits von spezifischen Fachgebieten Beratungen anbieten. In den Mediatheken von ARD und ZDF etwa findet sich nur ein kurzes Stück von WDR aktuell. Dass auch zivilrechtlichen Fragestellungen im Bereich Miet- oder Arbeitsrecht bearbeitet werden können und das Angebot vielfältig ist, bleibt also weitgehend unter dem Radar der Medienredaktion.