Viel besser als ihr Ruf: Afrikanische Länder mit hohem Entwicklungsstand
Abstract:
Der Human Development Index (HDI) ist zur Messung des Entwicklungsstandes eines Landes deutlich besser geeignet als das Bruttosozial- oder Bruttoinlandsprodukt (BSP, BIP), da der HDI neben wirtschaftlichen Indikatoren auch den Gesundheits- und Bildungsstand der Bevölkerung einbezieht. Hier erreichen die afrikanischen Inselstaaten Seychellen und Mauritius einen Wert über dem weltweiten Durchschnitt, weitere afrikanische Länder liegen nicht weit zurück. Die mediale Berichterstattung zeichnet ein einseitiges Bild Afrikas als überwiegend arm und unterentwickelt.
Sachverhalt & Richtigkeit:
Die mediale Darstellung des afrikanischen Kontinents wird oft nicht der Diversifizierung seiner individuellen Nationen gerecht. Viele Länder erreichen hier beachtliche Fortschritte in Bereichen Wirtschaft, Gesundheit, Bildung und Lebensstandard. Das Entwicklungsstadium eines Landes wird oft am Bruttoinlandsprodukt bemessen, wobei sich der Human Development Index als Maßstab besser eignet, da er aussagekräftigere Schlüsse über die Lebensqualität eines Landes und die menschliche Entwicklung seiner Bevölkerung liefert.
Hier sind afrikanische Länder, wie die Seychellen und Mauritius weit fortgeschritten und liegen über dem weltweiten Durchschnittswert. Der HDI eines Landes kann sich zwischen 0 und 1 bewegen. Während ein Wert von 0 eine geringe Entwicklung und Wohlstand bedeutet, meint ein Wert von 1 eine hohe Lebensqualität und Entwicklung. Schaut man nun auf die Spitzenreiter Afrikas, führen die Seychellen mit einem HDI-Wert von 0,836 (2023). Laut internationalen Standards zur Einordnung des HDI, gilt ein Land mit einem HDI über 0,800 als ein höchstentwickeltes Land. Die Seychellen belegen als kleiner afrikanischer Inselstaat, dennoch weltweit einen Platz unter den Top 60 (2023) und sind somit das afrikanische Land, welches die höchste Entwicklung aufzuweisen hat. Den zweiten Platz unter den afrikanischen Staaten belegt Mauritius mit einem HDI-Wert von 0,806 (2023). Südafrika, welches oft als reichstes Land Afrikas gemessen am BIP genannt wird, erreicht beim HDI einen Wert von 0,731, womit sie gerade knapp unter dem aktuellen weltweiten Durchschnitt von 0,741 liegen.
Nach den Kriterien Gesundheit, Bildung, Wissen, nationaler Entwicklungsstand und Lebensstandard stellen die Seychellen einen potentiellen hochqualifizierten Handelspartner unter den afrikanischen Ländern dar. Die Seychellen haben nicht nur einen starken Tourismussektor als beliebtes Reiseziel, sondern betreiben auch beachtliche Außenhandelsaktivitäten. Zu typischen Exportprodukten gehören eine Vielzahl von Gütern, wie zum Beispiel Fisch und Meeresfrüchte, tropische Früchte, Gewürze aber auch Aromen sowie Handwerkskunst und Souvenirs. Die Seychellen sind ein kleines Land bestehend aus 115 verstreuten Inselstaaten. Aufgrund ihrer geographischen Lage importieren sie ebenfalls eine Vielzahl an Gütern, um ihren eigenen Bedarf in Bevölkerung und Industrie zu decken. Zu den gefragtesten Importgütern gehören Maschinen, Elektronik, Fahrzeuge und Kraftstoffe. Aktuell pflegen die Seychellen Handelsbeziehungen mit verschiedensten Ländern, wie Frankreich, Großbritannien, den Vereinigten Arabischen Emirate und Indien. Eine weitere Stärke des Landes besteht in den weit verbreiteten Sprachkenntnissen in Englisch und Französisch, was sie als Handelspartner noch attraktiver macht.
Die Seychellen setzten sich dafür ein, ihre Handelbeziehungen zu stärken. Aufgrund aktueller Bemühungen, ihre Handelsbeziehungen und ihre wichtigsten Wirtschaftszweige auszubauen, gehört auch Bayern zu den Außenhandelspartnern der Seychellen. Die wirtschaftliche Beziehung zu Bayern besteht bisher hauptsächlich im Bereich des Tourismus. Seychellische Unternehmen arbeiten mit bayrischen Reiseveranstaltern und Hotelketten zusammen, um den Tourismussektor weiter zu stärken. Darüber hinaus besteht Potenzial für verstärkte Zusammenarbeit in Bereichen erneuerbarer Energien, Umweltschutz und nachhaltige Entwicklung. Der Außenhandel spielt eine wichtige Rolle für die weitere wirtschaftliche Entwicklung der Seychellen, um Produktionskapazitäten auszubauen und zu diversifizieren, neue lokale Märkte zu erschließen, wirtschaftliche Resilienz zu stärken und nachhaltiges Wachstum zu fördern.
Relevanz:
Das mediale Framing afrikanischer Länder als Entwicklungsländer und die reduzierte, einseitige Darstellung, reproduziert globale Machtinterdependenzen, was wiederholt zur Aufrechterhaltung eurozentrischer Perspektiven und postkolonialer Strukturen beiträgt. Dass der gesamte afrikanische Kontinent oft als per se unterentwickelt abgestempelt trägt dazu bei, dass internationalen gesellschaftliche Machtstrukturen bestehen bleiben. Oftmals fehlen in Handelsdebatten afrikanische Stimmen, die als wirtschaftlich entwicklungsfähiger Partner anzuerkennen sind. Daher ist die Aufarbeitung der Entstehungskontexte dieser Machstrukturen von besonderer Bedeutung für die Beseitigung bestehender sozio-kultureller Barrieren, sowie mehr Austausch auf Augenhöhe in Sachen Entwicklung und wirtschaftlichem Fortschritt.
Vernachlässigung:
Die öffentliche Berichterstattung deutscher Mainstream-Medien wird dem afrikanischen Kontinent und dessen Diversifizierung meist nicht gerecht. Krisen, Katastrophen und Kriege in den Schlagzeilen erwecken oft eher das öffentliche Interesse. Da die Nachrichtenberichterstattung vielmehr darauf ausgerichtet ist, Aufmerksamkeit in den Medien zu erregen, als nur eine Informationsfunktion zu erfüllen, fallen oft Themen wie langfristige Entwicklungsforstschritte von der Agenda. Durch einen eurozentrischer Blickwickel auf den afrikanischen Kontinent werden häufig Fortschritte einzelner Länder nicht beachtet und Entwicklung nicht hinreichend medial mitverfolgt. Eine realitätsnähere Darstellung individueller Nationen Afrikas und deren wirtschaftlichen Potentiale ist von besonderer gesellschaftlicher Relevanz, um globale Ungleichheiten zu beseitigen und internationale Machtstrukturen nicht fortan zu reproduzieren.