Verleihung des Günter-Wallraff-Preises 2019

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Die Initiative Nachrichtenaufklärung (INA) e.V. verleiht den Günter-Wallraff-Preis für Journalismuskritik 2019 an das „European Journalism Observatory“ (EJO) und an den Blogger und Menschenrechtler Raif Badawi. Badawi ist wegen seiner publizistischen Tätigkeit in Saudi-Arabien verurteilt zu zehn Jahren Haft, 1000 Peitschenhieben und einer hohen Geldstrafe. Der Günter-Wallraff-Preis ist in diesem Jahr mit insgesamt 10.000 Euro dotiert.

Das Europäische Journalismus-Observatorium ist ein dezentral organisiertes Netzwerk von gemeinnützigen Medien- und Journalismusforschungs-Instituten in Europa und beobachtet und vergleicht Journalismus-Kulturen in Europa und den USA. Das EJO wurde im Frühjahr 2004 von Stephan Russ-Mohl, Professor für Journalismus und Medienmanagement gegründet. Es will die Qualität im Journalismus stärken und zu einem internationalen objektiven Informationsaustausch beitragen. Das EJO ist einzigartig in seiner Funktion als Brückenbauer zwischen den Journalisten und dem Journalismus in Europa. Forscher und Institutionen aus 14 Ländern sind beteiligt. Das EJO dient als Schnittstelle zwischen Medien-, Kommunikations- und Journalismusforschung und der Medienpraxis. Gerade jetzt, da Europas Einheit schwächelt, ist die Arbeit des EJO für einen unabhängigen, qualitativ hochwertigen Journalismus von großer Bedeutung. Als Leuchtturm einer konstruktiven Journalismuskritik ist das EJO ein herausragendes Beispiel für eine europäische und transatlantische Nachrichtenaufklärung. Für das EJO hat Prof. Dr. Susanne Fengler vom Dortmunder Institut für Journalistik den Preis entgegengenommen.

Prof. Susanne Fengler nahm den Preis stellvertretend für den EJO entgegen.
Prof. Susanne Fengler nahm den Preis stellvertretend für den EJO entgegen. Copyright: Deutschlandfunk/David Ertl.

Raif Badawi hat sich in Saudi-Arabien als Blogger mit einem Internet-Portal für die Menschenrechte eingesetzt: für Meinungsfreiheit, Gleichberechtigung von Männern und Frauen und mit seiner Kritik an der autoritären Verquickung von Staat, Politik und Religion in Saudi-Arabien. Dabei ist er seinen Werten und Visionen für eine freie und gerechte Gesellschaft treu geblieben. Für diese menschlichen Grundwerte sitzt er seit 2013 in Saudi-Arabien in Haft. Sein Leben schwebt in Gefahr. Seine Frau Ensaf Haidar und die drei Kinder konnten in Kanada Asyl finden. Raif Badawi erhält den Günter-Wallraff-Sonderpreis als lebendiger Zeuge für Macht und Ohnmacht des kritischen Worts und der globalen Bedeutung des Projekts der Aufklärung. „Raif Badawi ist ein Visionär, dessen Bedeutung weit über die Kritik am saudischen Gottesstaat hinausreicht“, so Günter Wallraff, Ehrenmitglied der INA. „So wie Raif Badawi unsere Unterstützung und Solidarität benötigt, so sehr brauchen wir seine Stimme.“ Ensaf Haidar, die die Stiftung „Raif Badawi Foundation for Freedom“ für freiere Gesellschaften in der arabischen Welt ins Leben gerufen hat, hat den Preis persönlich in Empfang genommen.

Ensaf Haidar nahm den Preis stellvertretend für ihren inhaftierten Ehemann Raif Badawi entgegen.
Ensaf Haidar nahm den Preis stellvertretend für ihren inhaftierten Ehemann Raif Badawi entgegen. Copyright: Deutschlandfunk/David Ertl.

Der Günter-Wallraff-Preis wurde im Rahmen des 5. Kölner Forums für Journalismuskritik, das die INA in Kooperation mit der Nachrichtenredaktion des Deutschlandfunks in deren Kölner Funkhaus veranstaltet, von Günter Wallraff persönlich verliehen. Das Preisgeld in Höhe von insgesamt 10.000 Euro wurde von der Mediengruppe RTL, der Rewe Group, dem 1. FC Köln und Günter Wallraff selbst zur Verfügung gestellt und zwischen den Preisträgern aufgeteilt. „Ich freue mich, dass mit den Donatoren des diesjährigen Günter-Wallraff-Preises die Kölner Stadtgesellschaft zeigt, dass sie für gemeinsame Werte und die Prinzipien der Aufklärung einsteht“, sagt Prof. Dr. Hektor Haarkötter, geschäftsführender Vorsitzender der INA.

Die Reden der Preisverleihung finden sie hier:

Günter Wallraff

Ensaf Haidar

Birgit Wentzien

Günter Wallraff
Günter Wallraff während seiner Rede über Raif Badawi. Copyright: Deutschlandfunk/David Ertl.