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Mediale Vernachlässigung des Globalen Südens -

Mediale Vernachlässigung des Globalen Südens

Quelle: Pixabay

Gabun, Malawi oder Tuvalu…viele Länder des globalen Südens, also die Ländergruppe der Entwicklungs- und Schwellenländer sind vielen Menschen in ihrer Existenz, geschweige denn in ihrer wirtschaftlichen oder politischen Situation nicht bekannt. Dies geht auf die mangelnde mediale Berichterstattung über diese Länder zurück. Durch journalistische Selektionsprozesse wie jenem der Elite-Nation, fällt die Berichterstattung über den Globalen Süden dem Agenda Cutting zum Opfer. So finden Berichte über uns bekannte und für uns relevante Länder ihren Weg eher in die Nachrichten als unbekannte Länder mit wenig Einfluss auf unsere Lebensrealität. Die Konsequenzen sind gravierend: obwohl der Globale Süden mit 6,7 Milliarden Menschen, rund 85% der Weltbevölkerung ausmacht, genoss der Sport im ersten Halbjahr von 2022 mehr Sendezeit als alle Länder des Globalen Südens zusammen. Eine Langzeitstudie zeigt, dass die Tagesschau auch im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie hauptsächlich die Situation im Inland, sowie in weiteren westlichen Ländern portraitierte.
Von der Berichterstattung über die Corona-Pandemie und den Ukraine-Krieg überschattet, fand auch der globale Hunger nur selten seinen Weg in die Berichterstattung der Tagesschau, und das trotz einer angestiegenen Zahl von Hungernden auf 811 Millionen Menschen.

Verteilung der Sendezeit in der „Tagesschau“-Hauptsendung in der 1. Jahreshälfte 2022
Verteilung der Sendezeit in der „Tagesschau“-Hauptsendung in der 1. Jahreshälfte 2022

So war 41 % der Sendezeit in der Hauptsendung der Tagesschau im ersten Halbjahr von 2022 dem Ukraine-Krieg reserviert. Weitere 40 % der Sendezeit beschäftigte sich mit anderen Themen, 11,5 % mit dem Pandemie Geschehen, 7% mit dem Sport und mit dem globalen Hunger nur 0,5%. Dies entspricht gerade einmal 13 Minuten Sendezeit, welche die bedeutendste deutschsprachige Nachrichtensendung einem so wichtigen Thema innerhalb eines halben Jahres entbehrt. Es ist ein deutlicher Negativtrend zwischen der abnehmenden Berichterstattung und der zunehmenden Relevanz dieses Themas zu vermerken. Denn obwohl die Situation des globalen Hungers sich aufgrund diverser Faktoren, wie dem Klimawandel oder dem Weizenmangel durch den Ukraine-Krieg immer weiter zuspitzt, bleibt eine ausreichende Berichterstattung aus.

Abb. 5: ARD-Korrespondenten im Ausland 2020 (Orte der ARD-Studios und Anzahl der Korrespondenten; Fernsehen [dunkelblau] und Radio [hellblau])
ARD-Korrespondenten im Ausland 2020 (Orte der ARD-Studios und Anzahl der Korrespondenten; Fernsehen [dunkelblau] und Radio [hellblau])

Erklärungsansätze für die Entstehung dieses blinden Fleckes, bezogen auf den globalen Süden, gibt es viele. Zum einen ist die kulturelle und geografische Nähe von Relevanz, aber auch das Maß an Sensation der Nachricht. So interessieren Nachrichten über Krieg und Terror eher als Nachrichten über Hunger. Weiterhin ist hervorzuheben, dass die Dichte an Reporter*innen, welche zu Gebieten des globalen Süden korrespondieren wesentlich geringer ist, als in Europa und Nordamerika.
Nun drängt sich selbstverständlich die Frage auf, inwiefern unser aller Weltbild von dieser medialen Vernachlässigung beeinflusst wird. Denn wie Luhmann postuliert, geben die Medien die Öffentlichkeit nicht nur wider sondern konstruieren sie mit. Da sich politische Entscheidungen eben innerhalb dieser Öffentlichkeit legitimieren, stellt sich die weiterführende Frage nach dem möglichen Ausbleiben politischer Aktivität im Bereich des Globalen Südens aufgrund der mangelnden Berichterstattung. Die Warnungen von Umwelt- und Menschenrechtsorganisationen im Bezug auf die Situation müssen medial stärker aufgegriffen werden, denn Themen der medialen Agenda finden häufig ihren Weg auf die politische Agenda.

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