Interview in Rheinischer Post zur Nachrichtenvernachlässigung

HMKW_Koelner_Forum_Journalismuskritik_Haarkoetter

In der Tageszeitung Rheinische Post aus Düsseldorf ist ein Beitrag über die Aufmerksamkeitsspanne der Öffentlichkeit erschienen. Die Autorin geht davon aus, dass “ im Fluss der Informationen oft so schwer zu entscheiden ist, was wirklich zählt“. In dem Zusammenhang kommt auch Prof. Hektor Haarkötter, der geschäftsführende Vorsitzende der Initiative Nachrichtenaufklärung (INA) e.V., zu Wort.

Aufmerksamkeit sei ein knappes Gut, so die Autorin weiter, und damit zu haushalten eine Herausforderung für jeden Einzelnen in der Informationsgesellschaft. Jeden Tag gebe es weltweit viele Ereignisse, die von Bedeutung sein könnten. Hinzu kämen langfristige Entwicklungen, deren Auswirkungen für alle relevant sind. Doch seien meist eben nicht Klimawandel, Fluchtursachen in Afrika oder Pflegenotstand in Deutschland die beherrschenden Themen, sondern der persönliche Streit zwischen Politikern.

INA-Vorsitzender Haarkötter weist darauf hin, dass es nicht nur an den Themen selbst liegt, ob sie in die Öffentlichkeit gelangen, sondern auch an den Auswahlgewohnheiten der Journalisten, am wirtschaftlichen Druck auf Redaktionen und an etwas, das man positiv allgemeine Interessenlage nennen könnte, negativ Borniertheit. Haarkötter glaubt, dass das Bedürfnis nach Konsonanz, nach Übereinstimmung, bei den Medien in Deutschland eine große Rolle spiele: Medien berichteten, was die anderen bringen. Darum habe auch das Internet nicht die Vielfalt gebracht, die viele sich versprochen hatten. „Auch die Mediennutzer beschäftigen sich gern mit dem, was sie schon kennen“, so Haarkötter, „darum surfen sie nicht wirklich frei im Internet, sondern bewegen sich auf gewohnten Pfaden und richten sich in ihren Meinungsblasen ein.“

Rheinische Post: „Was wichtig ist“

2 Kommentare zu Interview in Rheinischer Post zur Nachrichtenvernachlässigung

  1. Dass die „versprochene Vielfalt“ nicht da ist, stimmt so nicht.
    Im Gegenteil: Sie ist so gross, dass niemand, selbst bei intensiver Nutzung des Internets, auch nur halbwegs alles aufnehmen kann, was geboten wird.
    Die Zeitungen und Zeitschriften haben eine bestimmte Seitenzahl, die zwar von Ausgabe zu Ausgabe schwanken kann, aber sie ist immerhin „endlich“.
    Im Internet gibt es „unendlich“ viele Möglichkeiten, Informationen zu platzieren und auch abzurufen.
    Das ist Fluch und Segen zugleich.
    Segen in der Weise, dass man zu fast allen Themen und Aktivitäten etwas findet, zumeist sogar Aktuelles.
    Fluch vor allem für die Leute, die möchten, dass sich möglichst viele Leute gerade über ein bestimmtes Thema oder Ereignis informieren.
    Ob das auch geschieht, ist oftmals eine Frage des Zufalls, ob jemand auf diese Informationen stösst bei der Vielfalt an Informationen, die das Internet bietet.

    • Lieber Herr Möller,
      vielen Dank für Ihren Kommentar.
      Es geht aber in dem erwähnten Zitat explizit nicht darum, dass Informationen grundsätzlich nicht im Internet irgendwo auffindbar wären, sondern darum, dass das Nutzerverhalten im Internet nicht völlig frei ist, z.B. durch die „Nachrichtenblase“, dem Nutzer angepasste Themenvorschläge und Themenpriorisierung durch Suchmaschinen sowie das Benutzen von „gewohnten Pfaden“ auch im Internet.
      Beste Grüße
      Ihre INA

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*