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2017: Top 4 -

2017: Top 4

Kann Hunger durch weniger Nahrungsmittelverschwendung verringert werden?

Hunger und Nahrungsmittelverschwendung haben verschiedene Gründe, und die Verschwendung bedingt indirekt auch den Hunger. Es gibt Ideen zur Verbesserung der Lage, doch bisher wird wenig langfristig umgesetzt. Dabei ist der Zusammenhang zwischen Hunger und Nahrungsmittelverschwendung sowohl wirtschaftlich, als auch politisch, sozial und ökologisch relevant. In der Presse werden zwar die einzelnen Themenblöcke immer wieder angesprochen. Der komplizierte Zusammenhang von Nahrungsmittelverschwendung hier und Hunger dort sind jedoch kaum Thema und Handlungsvorschläge werden selten angesprochen.

Sachverhalt & Richtigkeit:

Nahrungsmittelverschwendung

Nahrungsmittelverschwendung ist hauptsächlich, aber nicht ausschließlich ein westliches Problem. Weltweit werden jährlich ca. 1,3 Milliarden Tonnen aller Lebensmittel nicht verbraucht. Darunter 18 Millionen der jährlich 54,5 Millionen Tonnen verbrauchter Nahrungsmittel in Deutschland. Davon wären fast 10 Millionen Tonnen vermeidbar. (Vgl. WWF 2015a)

Die Verschwendung hat häufig ihren Anfang schon auf den anbauenden Farmen, auf denen viele Lebensmittel nicht geerntet werden, weil sie nicht den strengen Normen der Lebensmittelindustrie entsprechen: Sie sind zu klein, zu groß, verformt oder haben nicht die richtige Farbe. Zudem verderben in Entwicklungsländern bis zur Hälfte aller Lebensmittel auf dem Weg zum Verbraucher durch schlechte Lagerung, mangelnde Transportmöglichkeiten und fehlende Vermarktungsmöglichkeiten (Vgl. Welthungerhilfe 2016).

Ein weiteres großes Problem ist die häufig unzureichende Verpackung der Lebensmittel. Dadurch verderben diese oft schon vor oder während der Reise zum Händler. Dies ist auch hauptsächlich ein Problem in Entwicklungsländern (Vgl. Meißner 2012). Ernte- und Nachernte-Verluste machen beinahe 14% des Gesamtverlustes aus (Vgl. Welthungerhilfe 2016).

Beim Händler werden die Lebensmittel dann meist in großen Haufen ausgelegt und angeboten, die häufig nachgefüllt werden. Ein halbleeres Warenregal wirkt nicht so attraktiv, wie ein ständig gefülltes. Damit geht aber auch einher, dass ein Großteil der Lebensmittel verloren geht, da er nie gekauft wird. Strenge Regeln sorgen z.T. dafür, dass Lebensmittel, die am Ende des Tages übrig sind, weggeworfen werden (Vgl. Kutter 2011).

Die Verluste durch Groß- und Einzelhandel in Deutschland belaufen sich auf 14% und die Einbußen bei der Verarbeitung der Lebensmittel liegen ebenfalls bei 14% (Vgl. Welthungerhilfe 2016).

Der größte Teil der Nahrungsverschwendung, rund 40% in Deutschland, wird jedoch durch den Verbraucher verursacht. Viele Menschen kaufen deutlich mehr, als sie tatsächlich essen können und so landen pro Kopf im Jahr ca. 82 kg Lebensmittel in der Tonne. Damit liegt Deutschland im Vergleich mit dem Rest Europas im unteren Drittel. Weltweit sind es im Durchschnitt ca. 180 kg- 190 kg. (Vgl. Welthungerhilfe 2016).

Hunger

Dem neuesten Bericht der FAO (Food and Agriculture Organization of the United Nations) zufolge hungern 795 Millionen Menschen weltweit, davon 98% in Entwicklungsländern (FAO 2015a).

Die Welthungerhilfe (WHH) unterscheidet in ihrer Definition zwischen zwei Arten von Hunger.

Die erste Art ist der „Akute Hunger“, der in Form von Hungersnöten auftritt, die häufig durch Krisen, wie Dürren, Kriege oder Katastrophen ausgelöst werden. Unter dieser Art von Hunger leiden knapp 10% aller Hungernden.

Die andere Art ist der „Chronische Hunger“, der einen Zustand dauerhafter Unterernährung bezeichnet. Er betrifft den größeren Teil der Hungernden und beinhaltet nicht nur einen Mangel an Essen, sondern auch Wassermangel und eine fehlende Gesundheitsversorgung. (Vgl. Welthungerhilfe 2015)

In ihrem Bericht „Sustainable food security futures“ nennen die Autoren Zahir Irani und Amir M. Sharif mehrere mögliche Gründe für den weltweiten Hunger. Diese Gründe finden sich wiederholt in vielen Quellen des WWF (Vgl. World Wide Fund for Nature), der FAO und weiteren Studien zum Thema.

Durch eine ständig wachsende Population wird die Nahrungsverteilung immer schwieriger. Industrieländer, in denen immer weniger Kinder geboren werden, leben in einem Nahrungsüberfluss während in Entwicklungsländern weiterhin hohe Geburtenraten herrschen. Allerdings wird die Population in ländlichen Gegenden weniger, da viele Menschen in die Stadt ziehen, weil ihnen die Arbeit auf Farmen unattraktiv erscheint. (Vgl. M. Sharif, Irani 2016)

Ansprüche ändern sich. Nach Irani und Sharif gibt es in Industrieländern eine neue Generation von reichen Menschen, die ihren Erfolg und ihr Geld durch bessere Lebensstandards genießen und zur Schau stellen möchten. Das zeigt sich auch in einer Veränderung des Nahrungskonsums, insbesondere in einem steigenden Fleischkonsum. Dies zieht Probleme mit sich, da der Fleischherstellung im großen Stil Massentierhaltung und ein enormer Verbrauch von Anbaufläche für Tierfutter sowie ein hoher Wasserverbrauch zugrunde liegt. (ebd.)

Durch den fortschreitenden Klimawandel steigt die Wahrscheinlichkeit für extreme Wettervorkommnisse, was nicht nur weniger Nahrungssicherheit für die Betroffenen zur Folge hat, sondern auch für die Menschen, die die Nahrung kaufen. Durch die geringere Verfügbarkeit der Produkte und die Schwierigkeiten im Anbau steigen die Preise an und viele Nahrungsmittel sind für wirtschaftlich benachteiligte Menschen schwerer oder unmöglich erhältlich. (ebd.)

Mit den Jahren und vermehrtem Nahrungsanbau steigt auch die Zahl der Erdrutsche. Oft werden Felder unterspült und brechen weg. Ein Drittel des weltweiten Farmlandes verliert bepflanzbaren Boden schneller als er nachproduziert werden kann. In der letzten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts hat sich der Anteil des bewässerten Farmlandes von 250 Millionen Hektar in 1950 zu 700 Millionen Hektar in 2000 geändert. Zu stark bewässertes Farmland kann einen Beitrag zu Erdrutschen leisten, was wiederum, genau wie extreme Wettervorkommnisse, Auswirkungen auf Nahrungssicherheit haben kann. (ebd.)

Auch Wasserknappheit wirkt sich auf Nahrungssicherheit aus. Wasser wird an allen Stationen der Nahrungsversorgung gebraucht. Es ist Trinkwasser für Menschen und in (Massen-)Tierhaltung, es wird zur Bewässerung von Pflanzen genutzt sowie für viele andere Dinge im alltäglichen Gebrauch – von Duschen über das Zubereiten von Mahlzeiten bis hin zum Händewaschen. Der steigende Wasserverbrauch, insbesondere für Nahrungsanbau, hat in vielen Ländern einen sinkenden Grundwasserspiegel zur Folge. (Vgl. water footprint network 2016) Der Zugang zu Wasser ist nach einer Resolution der UN aus dem Jahr 2010 ein Menschenrecht und doch haben 768 Millionen Menschen weltweit keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser (Vgl. caritas 2015).

Kann Hunger durch Vermeidung von Verschwendung beseitigt werden?

Der Welthungerhilfe zufolge gibt es bis jetzt noch keine eindeutigen Belege für direkte Auswirkungen von Lebensmittelverschwendung in Industrieländern auf Hunger in Entwicklungsländern. Dies bestätigte sich durch unsere Recherche. Es lässt sich jedoch der WHH zufolge davon ausgehen, dass gewisse Zusammenhänge bestehen (Vgl. Welthungerhilfe 2016). So wird durch die erhöhte Nachfrage nach Lebensmitteln in Industrieländern eine erhöhte Produktion bedingt. Dies wiederum führt zu dem sogenannten „Land Grabbing“, der (teils illegalen) Aneignung von Land durch häufig ausländische Firmen, und dadurch oft zum Verlust von Einkommens- und Ernährungsquellen für lokale Kleinbauern. Auch die steigende Nachfrage nach Futtermitteln und Biotreibstoffen trägt zur Verknappung von Ackerland für Nahrungsmittel bei. Somit führt Verschwendung in Industrieländern zu einer Verknappung der Anbauflächen und zu einem Anstieg des Nahrungsmittelpreises. Weiterhin wirkt sich die Verschwendung auf das Klima aus. Die WHH verweist auf den Autor und Historiker Tristam Stuart, der betont, dass „10 % der Treibhausgas-Emissionen reicher Länder auf die Produktion nicht benötigter Lebensmittel zurückzuführen sind“ (Vgl. Welthungerhilfe 2016). Der hohe Wasserverbrauch für die Herstellung vieler Lebensmittel, insbesondere Fleischprodukte, stellt eine große Quelle für Treibhausgas-Emissionen dar. Auch die zur Lebensmittelherstellung benötigten Ressourcen, wie Energie, Wasser, Ackerfläche und Arbeitskraft, werden durch die Nicht-Verwertung von Lebensmitteln verschwendet. Sie könnten für viele andere Zwecke genutzt werden. Die WHH zieht den WWF heran, demzufolge in Deutschland „für 10 Millionen Tonnen vermeidbare Lebensmittel-Verluste eine Fläche von 2,6 Millionen Hektar mit Agrarrohstoffen angebaut [wird].“ (WWF 2015b) Die WHH schreibt weiterhin: „Diese Ressourcen sind verschwendet, fast 48 Millionen Tonnen Treibhausgase ohne Nutzen ausgestoßen.“ (Welthungerhilfe 2016). Durch Treibhausgase beeinflusstes Klima und die dadurch vermehrt auftretenden extremen Wettervorkommnisse treffen, wie bereits festgestellt (siehe: Hunger), meist die schwachen Glieder der Gesellschaft und beeinflussen nachhaltig Nahrungssicherheit. Die WHH sieht also eindeutig einen Zusammenhang zwischen Nahrungsverschwendung und Hunger. Dementsprechend gibt sie auf dem Blog der Organisation „10 Ideen gegen Lebensmittelverschwendung“ (Welthungerhilfe 2015) Handlungshinweise für Menschen in Deutschland, die etwas gegen Hunger auf der Welt tun möchten, wie etwa geplante Einkäufe, das Kaufen von Fair Trade Produkten, Mindesthaltbarkeitsdaten kritisch hinterfragen, Food-Sharing, cleveres Konservieren sowie saisonales Einkaufen. Auf den Seiten von vielen Initiativen sind außerdem Aufrufe zu finden, die sich mit der hier behandelten Thematik befassen. Viele Initiativen, die lokal arbeiten, versuchen Verschwendung zu vermeiden, indem Umverteilungen von Essen innerhalb von Nachbarschaften organisiert werden, wie zum Beispiel über die Plattform Foodsharing oder die Kampagne „Zu gut für die Tonne“ des Bundesamts für Ernährung und Landwirtschaft. Andere versuchen ein Bewusstsein für Wasserverschwendung und daraus folgende Einflüsse zu wecken. Es gibt viele Organisationen, die sich gegen Hunger einsetzen. Unter ihnen sind beispielsweise die FAO oder der WWF, die weltweit agieren, die europäische Non-Profit Organisation Foodwatch oder die UNESCO. Das Hilfswerk „Brot für die Welt“ agiert von Deutschland aus weltweit. Während der Versammlung der Vereinten Nationen „Committee on World Food Security“ stellte Generalsekretär Ban Ki-moon im Jahr 2012 die Idee „Zero Hunger“ vor. Die Initiative sieht vor, dass bis 2030 niemand mehr hungern muss. Das Vorhaben „Zero Hunger“ oder auch „Kein Hunger“ ist ein Aspekt der  17 „Ziele für nachhaltige Entwicklung“ (Sustainable Development Goals oder auch: SDGs), die von der UN ins Leben gerufen wurden.

Die „Zero Hunger Challenge“ fügt sich aus fünf Unterzielen zusammen:

Alle Nahrungssysteme, von der Produktion bis zum Verzehr, sollen nachhaltig werden. Dies sorgt für Nahrungssicherheit, die die wirtschaftliche, soziale und ökologische Sicherheit zukünftiger Generationen nicht gefährdet. Ländlicher Armut soll ein Ende gesetzt werden, indem die Löhne von Kleinbauern und Nahrungsmittelherstellern verdoppelt werden. Der Zugang zu adäquater, gesunder Nahrung soll für jeden Menschen das ganze Jahr über möglich sein. Dies soll mit einer Stärkung der Gleichberechtigung und den Rechten von Frauen einhergehen. Außerdem, für diesen Text besonders wichtig, sollen alle Nahrungssysteme so verändert werden, dass Verluste und Nahrungsmittelverschwendung komplett verhindert werden. Im Zuge dessen soll der Verbraucher gestärkt werden und die Hersteller, Einzelhändler und auch Verbraucher dazu angehalten werden, verbindlichen Regeln zu folgen. (Vgl. United Nations 2015)

Zusammenfassend lässt sich also sagen, dass der einzelne Verbraucher durchaus indirekt etwas zur Bekämpfung des Welthungers beitragen kann, indem er sich umfassend informiert und seine eigenen Konsumentscheidungen abwägt.

Fachwissenschaftliche Diskussion

 Die meisten fachwissenschaftlichen Artikel beziehen sich auf Studien der FAO, jedoch ist durch ungenaue Quellenangaben nicht eindeutig feststellbar, welche Publikation der FAO dem jeweiligen Artikel zugrunde liegt. Zusätzlich sind tiefgehende Studien mit zum Teil anderen Daten auch vom WWF, der Welthungerhilfe und der Universität Stuttgart (für das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft) angefertigt worden, jedoch werden diese selten verwendet. Je nach Artikel werden unterschiedliche Angaben über die Verschwendung gemacht, wobei sich einige Angaben nur auf Deutschland, andere auf die ganze Welt beziehen. Es werden absolute Mengenangaben, der Wert in Euro und die Anteile der Verschwendung bei unterschiedlichen Stationen zwischen Produzent und Verbraucher beziffert. Beispielsweise werden laut WWF in Deutschland rund 18 Mio. Tonnen Lebensmittel pro Jahr verschwendet (Vgl. Welthungerhilfe 2016), während die Universität Stuttgart mit 11 Mio. Tonnen pro Jahr zitiert wird (Vgl. Eschenbach 2013). Die FAO macht zur Verschwendung in Deutschland keine Angaben, da sie einen anderen Schwerpunkt haben. Dadurch sind die Werte schlecht vergleichbar. Die FAO evaluiert in „The state of Food Insecurity in the world” (2015) das Erreichen des ersten Ziels, der Bekämpfung von extremer Armut und Hunger, der „Millennium Development Goals“ (MDG1), die 2000 von den Vereinten Nationen verabschiedet wurden. Bei den Ländern, in denen die Ziele nicht erreicht wurden, werden natürliche und von Menschen verursachte Katastrophen, politische Instabilität und daraus entstehende langanhaltende Krisen mit steigenden Verletzlichkeit und geringerer Nahrungssicherheit als Ursachen angeben (FAO 2015a, S.3). 2009 gab die FAO in „How to Feed the World in 2050“ Prognosen zur Entwicklung der Nahrungssicherheit und verlangte eine Steigerung der Nahrungsmittelproduktion um 70 Prozent, um die wachsende Bevölkerung zu versorgen (Vgl. FAO 2009, S.2). Damit begründen Politiker oft kurzfristige Maßnahmen zur Produktions- und Effizienzsteigerung in der Landwirtschaft, beispielsweise durch genetisch verändertes Saatgut, statt eine „nachhaltige Landwirtschaft, die ihre Produktion so ändert, dass natürliche Ressourcen wie Boden, Wasser oder Leistungen für das Ökosystem bewahrt werden“, aufzubauen (Vgl. Meißner 2012, S.47).

Der WWF, der die Studie 2011 zusammen mit der Heinrich-Böll-Stiftung analysierte, wirft der FAO ein fragwürdiges Annahmeset für die Berechnungen vor. Er kritisiert, dass zwar die Auswirkungen des Klimawandels auf die Agrarproduktion und die steigenden Nutzung von Äckern zur Bioenergieproduktion beachtet, die Reduzierung von Nachernteverlusten und die Reduzierung des Fleischkonsums in Industrieländern jedoch nicht einbezogen wurden (Vgl. Meißner 2012, S.48). Mit der Nahrungsmittelverschwendung in Deutschland und weltweit, den Auswirkungen in Deutschland und auf Entwicklungsländer, sowie Maßnahmen für den einzelnen Verbraucher beschäftigen sich die Welthungerhilfe, das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) und der WWF. Der WWF arbeitet in „Das große Wegschmeißen“ (2015) mit selbst erhobenen Daten aus Deutschland. Die FAO beschäftigt sich in „Global food losses and food waste“ (2011) mit der Nahrungsmittelverschwendung in Ländern mit hohem/mittleren Einkommen und in Ländern mit niedrigem Einkommen weltweit. Da alle Organisationen sich in ihren Aufsätzen viel aufeinander beziehen, gibt es keine divergenten Meinungen. Der Zusammenhang zwischen Nahrungsmittelverschwendung und Hunger wird nur am Rande erwähnt. Im Aufsatz „Achieving Zero Hunger“ (2015) untersucht die FAO, wie der Hunger im Zuge des „Zero Hunger“ Vorhabens (s.o.) durch eine Kombination aus sozialer Absicherung und angestrebten Investitionen gegen Armut bis 2030 eliminiert werden kann. Dabei geht sie unter anderem auch auf das Sicherstellen der Nachhaltigkeit des Nahrungsmittelsystems durch Vermeidung von Nahrungsmittelverschwendung in der Produktion, Weiterverarbeitung sowie im Konsum von Lebensmitteln und damit auf die Reduzierung der Emission von Treibhausgasen ein (Vgl. FAO 2015b, S.4).

Es gibt keine wissenschaftliche Quelle die mit Daten den Zusammenhang zwischen Nahrungsmittelverschwendung und Hunger belegt.

Relevanz:
Das Thema der Nahrungsmittelverschwendung und seine Verbindung zum Hunger sind sozial und politisch, aber auch ökologisch und wirtschaftlich relevant.

Soziale Relevanz

Weltweiter Hunger ist letztendlich ein soziales Problem, da der Hunger weltweit 795 Millionen Menschen betrifft, 98 Prozent davon in Entwicklungsländern (Vgl. FAO 2015a). Durch starken Hunger steigt die Gefahr von Krankheiten und Kriegen, gleichzeitig sinkt die Anzahl an arbeitsfähigen Menschen, die selbstständig für sich und ihre Familien sorgen können.

Soziales und vorausschauendes Handeln zwingt zur Bekämpfung des Hungers auf der Welt.

Politische Relevanz

Im Zuge der Versammlung der Vereinten Nationen „Committee on World Food Security“ stellte Generalsekretär Ban Ki-moon im Jahr 2012 die Idee „Zero Hunger“ vor, die vorsieht, bis 2030 dafür zu sorgen, dass niemand mehr hungern muss. Diese Initiative wurde im September 2105 von der UN-Generalversammlung übernommen. Durch Hunger entsteht Konfliktpotenzial, er kann Kriege auslösen und ist einer der Hauptgründe für Kindersterben weltweit (Vgl. UNICEF 2015). Damit die Politik nicht nur kurzfristige, nicht nachhaltige Maßnahmen trifft, muss umfassend über die Folgen aufgeklärt werden. Es gibt viele vielversprechende Ansätze zur Verbesserung der Umstände, jedoch müssen nach Ban Ki-moon alle, politische sowie unpolitische Organisationen zusammenarbeiten, um das gemeinsame Ziel zu erreichen.

Ökologische Relevanz

Das Schwinden der biologischen Vielfalt bringt die Ökosysteme ins Wanken, von denen auch wir Menschen abhängig sind. Die Nahrungsmittelverschwendung und kurzfristige Maßnahmen gegen die Verschwendung und den Hunger beschleunigen den Klimawandel, der große Auswirkungen auf die Umwelt und Ressourcen und damit auch auf Wirtschaft, Politik und das Wohlergehen der Menschen hat. Idealerweise muss die „Landwirtschaft […] sich an einem Optimum zwischen Ertrag und – im wahrsten Sinne des Wortes – nachhaltiger Nutzung unserer natürlichen Ressourcen orientieren“ (Meißner 2012, S.49). Dieses Ziel ist, wie der Text aufweist, noch nicht erreicht.

Wirtschaftliche Relevanz

Durch die Nahrungsmittelverschwendung und die damit einhergehende Ressourcenverschwendung fahren die Farmen, der Handel und der Endverbraucher große Einbußen ein. Und auch der Hunger ist ein Verlust für die Wirtschaft. Hungernde Menschen sind nicht voll arbeitsfähig, und stehen in der Bedürfnispyramide sehr weit unten. Könnten sich die Menschen besser ernähren, würden sie auch mehr konsumieren und besser arbeiten können und damit die Wirtschaft ankurbeln. Der Wert von 82 kg weggeworfenen Lebensmitteln pro Kopf und Jahr in Deutschland entspricht etwa einem Gegenwert von 235€ pro Kopf oder ca. 20 Milliarden € insgesamt (Vgl. Welthungerhilfe 2016). Trifft man keine Maßnahmen und der Hunger und die Nahrungsmittelverschwendung steigen wird sich die Situation auch wirtschaftlich, besonders für kleinere Unternehmen, verschlechtern.

Vernachlässigung:
In den letzten zwei Jahren sind nach der Datenbank Nexis mindestens 320 Artikel in verschiedenen Medien zum Thema Nahrungsmittelverschwendung und Problemen in der Nahrungsmittelindustrie erschienen. Die vorwiegenden Themen sind die Verschwendung und ihre Gründe, jedoch gibt es weniger konkrete Vorschläge für Veränderungen des Verhaltens einzelner Personen. Auch die zugrundeliegenden Gründe, die Zukunftsaussichten und wie der Markt verändert werden müsste, werden wenig thematisiert.

Über WISO finden sich in der deutschen Tages- und Wochenpresse 27.589 Artikel über „Hunger“ aus den letzten 12 Monaten, in der überregionalen Zeitung „DIE ZEIT“ allein 128 Stück. Allerdings fasst der Begriff „Hunger“ auch andere Themen, wie Diäten und ähnliches mit auf. Zum Thema „Nahrungsmittelverschwendung“ gibt es über den gleichen Zeitraum 34 Artikel, allesamt in vorherrschend regionalen Blättern. Zur Kombination aus Hunger und Nahrungsmittelverschwendung wurden nur 5 Artikel veröffentlicht und die in der „Bergischen Morgenpost“, der „Neuss-Grevenbroischer Zeitung“, der „Rheinischen Post“ und der „Solinger Morgenpost“ waren derselbe Artikel als ein Sonderthema am 17.03.16. In der überregionalen deutschen Presse, die größere Leserzahlen erreicht, finden sich 7 Artikeln aus dem letzten halben Jahr zum Thema „Welthunger“. Mit den regionalen Blättern sind es in dem Zeitraum 68 Treffer zu dem Thema. Die größeren Zeitungen beschäftigen sich also weit weniger mit der Problematik.

Über Hunger wird also ausführlich berichtet, doch Nahrungsmittelverschwendung und der Zusammenhang zum Hunger finden so gut wie kein Gehör. Zusammen mit „Klimawandel“ wird Hunger hingegen mit 596 Artikeln häufig erwähnt. Auch in der britischen Presse ist „Hunger“ mit über 3000 Artikeln in drei Monaten abrufbar über Nexis ein wiederkehrendes Thema, auch hier greift jedoch wieder die Problematik, dass mehr Themen erfasst werden als gewollt. „Food waste“ führt hingegen zu 1021 Treffern und kombiniert schrumpft die Anzahl der Artikel auf 25 zusammen. Davon sind zehn in „The Guardian“ erschienen und erreichen damit eine größere Gruppe an Lesern. In der Fachwissenschaft wird der Zusammenhang sehr vernachlässigt. Nur die beiden Studien der FAO und des WWF geben tiefere Einblicke. Es gibt viele fachwissenschaftliche und auch nicht fachwissenschaftliche Quellen zum Thema Hunger oder Nahrungsmittelverschwendung, aber verschwindend wenige über den Zusammenhang zwischen den beiden, oder wie die Welthungerhilfe auf den Punkt bringt: „Für den Nachweis einer Wirkungskette von Nahrungsmittelverschwendung in Deutschland auf den Hunger in Entwicklungsländern mangelt es bisher an belegbaren Beispielen. Dennoch lässt sich von […] Zusammenhängen ausgehen“ (Vgl. Welthungerhilfe 2016)

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Quellen:

BUNDESMINESTERIUM FÜR ERNÄHRUNG UND LANDWIRTSCHAFT (BMEL), 2015: Welternährung verstehen. [Online] Stand: Januar 2015 [Zugriff am: 2016-07-12] Verfügbar unter: http://www.bmel.de/SharedDocs/Downloads/Broschueren/Welternaehrung-verstehen.pdf?__blob=publicationFile

CARITAS INTERNATIONAL, 2015: Weltwassertag: Caritas fordert zu bewusstem Konsum auf. [Online] Stand: 2015-03-19 [Zugriff am: 2016-07-12] Verfügbar unter: http://www.caritas-international.de/presse/presse/weltwassertag-caritas-fordert-zu-bewusst?searchterm=zugang+zu+trinkwasser

ESCHENBACH, Martin, 2013: Die große Verschwendung. In: Catering inside Heft 03/2013, Seite 12 ISSN: 1615-5122 [Online, Zugriff am 2016-06-14] Verfügbar unter: https://www.wiso-net.de/document/CATI__4616D1992AAE1AB48180FEABAF215EEB/hitlist/0?all=

FAO STATISTICS DIVISION, 2015: Statistiken auf der Website der FAO [Online]Stand: 2016-07-11 [Zugriff am 2016-07-11] Verfügbar unter: http://faostat3.fao.org/download/D/*/E

FOOD AND AGRICULTURE ORGANISATION OF THE UNITED NATIONS (FAO), 2016: Website [Online] Stand: 2016 [Zugriff am: 2016-07-11] Verfügbar unter: http://www.fao.org/home/en/

FOOD AND AGRICULTURE ORGANISATION OF THE UNITED NATIONS (FAO), 2015a: The state of Food Insecurity in the world. [Online]Stand: 2015 [Zugriff am: 2016-07-05] Verfügbar unter: http://www.fao.org/3/a-i4646e.pdf

Der diesjährige Bericht über den Stand der Nahrungsmittelunsicherheit in der Welt untersucht den Fortschritt zum Erreichen der Ziele des international festgelegten „Millennium Development Goal“ (MDG1) und des „World Food Summit“ und reflektiert, was beim Übergang zur neuen post-2015 „Sustainable Development Agenda“ getan werden muss. Der Bericht begutachtet den Fortschritt seit 1990 für jedes Land und Region sowie für die Welt als Ganzes (FAO 2016).

FOOD AND AGRICULTURE ORGANISATION OF THE UNITED NATIONS (FAO), 2015b: Achieving Zero Hunger. [Online] Stand: 2015 [Zugriff am: 2016-07-11] Verfügbar unter: http://www.fao.org/3/a-i4777e.pdf

Der Aufsatz untersucht wie der Hunger durch eine Kombination aus sozialer Absicherung und angestrebten Investitionen gegen Armut bis 2030 eliminiert werden kann.

FOOD AND AGRICULTURE ORGANISATION OF THE UNITED NATIONS (FAO), 2011: Global food losses and food waste. [Online] Stand: 2011 [Zugriff am: 2016-07-12] Verfügbar unter: http://www.fao.org/docrep/014/mb060e/mb060e.pdf

Zwei Studien zur globalen Nahrungsmittelverschwendung, eine für Länder mit hohem und mittlerem Einkommen und eine für Länder mit niedrigem Einkommen.

FOOD AND AGRICULTURE ORGANISATION OF THE UNITED NATIONS (FAO), 2009: How to Feed the World in 2050. [Online] Stand: 2009 [Zugriff am: 2016-07-11] Verfügbar unter: http://www.fao.org/fileadmin/templates/wsfs/docs/expert_paper/How_to_Feed_the_World_in_2050.pdf

Bericht über die von der FAO entwickelte Prognosen für die bis 2050 notwendigen globalen Steigerungsraten für Nahrungsmittel. Es werden die wachsende Weltbevölkerung und die Auswirkungen des Klimawandels auf die Agrarproduktion sowie steigende Nutzung von Äcker zur Bioenergieproduktion berücksichtigt.

KUTTER, Susanne, 2011: Erntefrisch in die Tonne. In: WirtschaftsWoche print: Nr. 33 vom 15.08.2011 Seite 108 [Online, Zugriff am 2016-06-14] Verfügbar unter: https://www.wiso-net.de/document/WW__20110815015/hitlist/0?all=

KRANERT, M., 2012: Ermittlung der weggeworfenen Lebensmittelmengen und Vorschläge zur Verminderung der Wegwerfrate bei Lebensmitteln in Deutschland. [Online] Stand: März 2012 [Zugriff am: 2016-07-12] Verfügbar unter: https://www.zugutfuerdietonne.de//fileadmin/_migrated/content_uploads/Studie_Langfassung_01.pdf

Vom Bundesverbraucherministerium geförderte Studie der Universität Stuttgart zur Abschätzung der Menge der weggeworfenen Lebensmittel in Deutschland und Identifizierung der Hauptursachen für die Entstehung von Lebensmittelabfällen. Zum Schluss werden Vorschläge zur Verminderung der Wegwerfrate von Lebensmitteln entwickelt.

MEIßNER, Matthias, Chemnitz, Christine, 2012: Welternährung: Es geht nicht ohne Veränderung des Konsumverhaltens. In: Ökologie & Landbau, Heft 01/2012, S. 47-49. ISSN: 1015-2423 [Online, Zugriff am 2016-06-14] Verfügbar unter: https://www.wiso-net.de/document/OELA__B1FADA709D9C1A009FCD5BB55E1FBD86

Die Ergebnisse der Analyse der FAO-Prognosen durch den WWF werden zusammengefasst und die vom WWF genannten Kritikpunkte, die fehlende Beachtung der Reduzierung von Nachernteverlusten und der Reduzierung des Fleischkonsums in Industrieländer in der Prognose der FAO ausgeführt.
SHARIF, AMIR; IRANI, ZAHIR, 2016: Sustainable food security futures. Großbritannien. In: Journal of Enterprise Information Management, Vol. 29 Issue 2 pp. 171 – 178 [Online, Zugriff am 2016-06-17] Verfügbar unter: http://dx.doi.org/10.1108/JEIM-12-2015-01177
Sharif und Irani analysieren mehrere Quellen zur Nahrungssicherheit und beschäftigen sich mit den ihrer Meinung nach wichtigsten Gründen für Nahrungsunsicherheit.

RÖHL, Thomas, 2011: Alles sicher? In: PACKREPORT Nr. 01-02, Seite 003 ISSN: 0342-3743 [Online] Stand: 2011-02-01] Zugriff am: 2016-06-14] Verfügbar unter: https://www.wiso-net.de/document/PACK__20110201001

UNICEF, WHO, WORLD BANK, UN-DESA POPULATION DIVISION, 2015: Levels and trends in child mortality 2015. [Online,  Zugriff am 2016-07-04] Verfügbar unter: http://www.who.int/maternal_child_adolescent/documents/levels_trends_child_mortality_2015/en/

UNITED NATIONS, 2015: The Zero Hunger Challenge: Transforming our Food Systems to transform our world. [Online, Zugriff am 2016-07-04] Verfügbar unter: http://www.un.org/en/zerohunger/challenge.shtml

WORLD FOOD PROGRAMME, 2016: Webiste [Online]Stand: 2016-07-11 [Zugriff am 2016-07-11] Verfügbar unter: http://de.wfp.org/welternaehrung

WORLD HUNGER EDUCATION, 2016: Hunger Notes. [Online]Stand: 2016-07-05 [Zugriff am: 2016-07-05] Verfügbar unter: http://www.worldhunger.org

WELTHUNGERHILFE, 2016: Fact-Sheet Nahrungsmittelverschwendung. [Online] Stand: 2016 [Zugriff am: 2016-07-12] Verfügbar unter: http://www.welthungerhilfe.de/fileadmin/user_upload/Mitmachen/Lebensmittelverschwendung/Lebensmittelverschwendung-fakten-fact-sheet-2016-welthungerhilfe.pdf

WELTHUNGERHILFE, 2015: Website [Online] Stand: 2015 [Zugriff am 2016-07-11] Verfügbar unter: http://www.welthungerhilfe.de/hunger.html

WWF, 2015a: Tonnen für die Tonne. [Online] Stand: 2016-07-05 [Zugriff am: 2016-07-05] Verfügbar unter: http://www.wwf.de/themen-projekte/landwirtschaft/ernaehrung-konsum/verschwendung/

WWF, 2015b: Das große Wegschmeißen. [Online] Stand: Juni 2015 [Zugriff am: 2016-07-11] Verfügbar unter: https://www.wwf.de/fileadmin/fm-wwf/Publikationen-PDF/WWF_Studie_Das_grosse_Wegschmeissen.pdf

Die Studie zeigt Zahlen und Daten zu „Ausmaß und Umwelteffekten von Lebensmittelverschwendung in Deutschland“ (WWF 2015).

WWF, HEINRICH-BÖLL STIFTUNG, 2011: How to feed the world’s growing billions. [Online] Stand: April 2011 [Zugriff am: 2016-06-20] Verfügbar unter: http://www.wwf.de/fileadmin/fm-wwf/Publikationen-PDF/WWF_BOELL_How_to_feed.pdf

Die Studie analysiert die Prognosen der FAO „How to Feed the World in 2050“ von 2009, die eine benötigte Steigerung der Nahrungsmittelproduktion um 70%  vorhersagt, und diskutiert seine Grafiken.

Kommentar:

„Für den Nachweis einer Wirkungskette von Nahrungsmittelverschwendung in Deutschland auf den Hunger in Entwicklungsländern mangelt es bisher an belegbaren Beispielen. Dennoch lässt sich von […] Zusammenhängen ausgehen“ (Vgl. Welthungerhilfe 2016)

Idealerweise muss die „Landwirtschaft […] sich an einem Optimum zwischen Ertrag und – im wahrsten Sinne des Wortes – nachhaltiger Nutzung unserer natürlichen Ressourcen orientieren“ (Meißner 2012, S.49)

„10 % der Treibhausgas-Emissionen reicher Länder [sind] auf die Produktion nicht benötigter Lebensmittel zurückzuführen“ (Vgl. Welthungerhilfe 2016)